Von der Ersterwähnung 1353 bis heute
Diese Seiten entstehen aus Büchern, Akten und dem, was Bünzwangerinnen und Bünzwanger erzählen. Am dringendsten fehlen uns Bilder: alte Ortsansichten, Häuser, die es nicht mehr gibt, Feste, Vereine, Schulklassen, Handwerk und Landwirtschaft.
Und wenn hier etwas falsch steht oder fehlt – sag es uns bitte. Gerade bei Namen, Jahreszahlen und Hausnummern hilft uns jeder Hinweis weiter.
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Bünzwangen ist älter, als der heutige Ortskern vermuten lässt. 1353 taucht das Dorf zum ersten Mal in einer Urkunde auf – damals unter dem Namen „Binswangen“. Der Name wird gedeutet als Zusammensetzung aus Binse und wang, einem alten Wort für Landstück: das Landstück am Binsengrund.
In dieser ersten Urkunde geht es um einen Hof: Der Edelknecht Fritz Härtnit verkaufte 1353 sechs Bünzwanger Einwohnern für 120 Pfund Heller „minen Hof genannt zum Steinbös, der gelegen ist bi Binswangen“ – als freies Eigen. Der Ort Steinbös ist längst abgegangen; wo er lag, ist nicht überliefert. Die Oberamtsbeschreibung von 1844 nennt als frühere Schreibweisen des Ortsnamens auch Benzwangen und Binswangen.
Diese Urkunde gibt es noch. Sie liegt im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, ist digitalisiert und lässt sich online ansehen. Wer hineinsieht, findet mehr als ein Datum. Fritz Härtnit verkauft den Hof mit allem, was dazugehört – Hofstätten und Gärten, Wiesen und Äcker, Holz, Feld und Weide, Wasser und Wasserläufe. Er bestätigt, die 120 Pfund erhalten zu haben, und verzichtet für sich und seine Erben auf jeden weiteren Anspruch vor geistlichem wie weltlichem Gericht. Als Zeugen stehen dabei der Schultheiß von Uhingen, ein Mann aus Schlierbach und zwei weitere Bünzwanger.
Das Bemerkenswerte steht bei den Käufern. Es ist kein Herr und kein Kloster, das den Hof übernimmt, sondern sechs Männer aus dem Dorf, die das Geld gemeinsam aufbringen. Die Urkunde nennt sie beim Namen; einen von ihnen bezeichnet sie schlicht als den, „den man nemmet den Maier von Binswangen“. Die älteste schriftliche Nachricht aus Bünzwangen ist damit keine Herrschaftsurkunde, sondern ein Geschäft unter Bauern.
Die Markung misst 502 Hektar. Ihr höchster Punkt liegt im Südosten mit 378,8 Metern im Gewann „Oberer Wasen“, der tiefste mit 279 Metern dort, wo der Weilerwiesenbach ins Filstal ausläuft. Dazwischen liegt eine geologische Besonderheit: Das Dorf liegt nicht auf der Voralb, sondern in ihr. Es sitzt in einem Grabenbruch von 60 bis 80 Metern Tiefe, den Randabstürze und Schwemmboden über die Jahrtausende wieder aufgefüllt haben – einem Teilstück des viele Kilometer langen „Schwäbischen Lineaments“.
Wie die Markung damals aufgeteilt war, zeigt die Urkarte von 1828 am Fuß dieser Seite: jedes Grundstück einzeln vermessen, jedes Gewann benannt.
Für die Wasserversorgung war dieser Bruch ein Glücksfall, denn er machte die Tiefbohrungen ergiebig. Bis dahin kam das Wasser über eine Leitung aus dem Fehlbronn, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bestand; 1906 entstand das Wasserwerk. Die Tiefbrunnen in der Weilerwiese und im Gsteig lösten die alte Leitung 1957 und 1965 ab. An die Quelle erinnert seit 1980 das Fehlbronnbrünnele, dessen Wasser mit natürlichem Druck über den Quellstein sprudelt.
Lange bevor Bünzwangen ein Wappen führen durfte, hatte es ein Fleckenzeichen: eine Pflugschar, passend zu einem Dorf, das vom Ackerbau lebte. Damit wurden markiert, was dem Ort gehörte – die Tontäfelchen, die seit 1560 als „Zeugen“ unter die Grenzsteine gelegt wurden, die Siegel der Schultheißen, die ledernen Feuereimer, die Kornsäcke der Bauern auf dem Weg zur Mühle, und zur Zierde auch die Ofensteine in den Wohnstuben.
Ein Wappen war das noch nicht – dafür brauchte es heraldische Regeln und eine staatliche Genehmigung. Die erste Bitte darum stellte die Gemeinde 1906, der Entwurf wurde abgelehnt. Ein zweiter Anlauf ging 1939 im beginnenden Krieg unter. Erst 1955 nahm Bürgermeister Müller die Sache wieder auf; den Entwurf fertigte der Stuttgarter Heraldiker Knayer. Am 19. Juni 1957 verlieh das Innenministerium Bünzwangen sein Ortswappen.
Es erzählt die Ortsgeschichte in drei Zeichen: Die Schildfarben rot-weiß stehen für die Hausfarben der Grafen von Aichelberg, der Herren von Bünzwangen im 13. Jahrhundert. Das Wappenbild ist die alte Pflugschar. Die dreizackige Krone stammt aus dem Siegel des Schultheißen Johann Georg Falkenstein (im Amt 1726–43), die beiden Sterne aus dem Siegel des Schultheißen Jakob Hummel, überliefert in seinem Testament von 1720.
Zu Bünzwangen gehörte einst eine Burg – ein kleiner Adelssitz, im Dorf das „Bürglin“ genannt. Die Grafen von Aichelberg, die den Ort im 13. Jahrhundert besaßen, erbauten ihn an den Weilerwiesen. Beide Namen stehen nebeneinander in einer Urkunde von 1360, mit der Wolf von Altensteig „Binswangen daz Bürglin vnd Wiler an der Vils“ zu Mannlehen erhielt. Die Oberamtsbeschreibung von 1844 hält fest, die Burg sei „schon 1568 ganz zerstört oder abgebrochen“ gewesen; sie habe den jeweiligen Vasallen zum Sitz gedient und sei – anders als behauptet – nicht das Stammhaus der von Wernau gewesen. Der Flurname erinnert bis heute an die Stelle.
Die Herrschaft kam 1334 an Württemberg – Graf Ulrich III. erwarb Bünzwangen für 7500 Pfund Heller, weil er wegen einbrechender Einkünfte Besitz umschichten musste. Von 1360 an gaben die Württemberger das Dorf als Lehen weiter: zunächst an die Herren von Altensteig, 1405 im Erbweg an die von Wernau, 1526 durch Verkauf an die Reuß von Filseck und an Balthasar Moser, einen Bürger der Stadt Göppingen. Wann genau der Verkauf an Moser stattfand, war lange unklar: Das Ortslexikon LEO-BW nennt 1560, die Originalquellen sprechen dagegen für den Winter 1567/68 – am 11. Dezember 1567 zeigten die Brüder Reuß dem Herzog den Verkauf an, und die Kaufurkunde, mit der Moser das Dorf weitergab, ist auf den 7. März 1568 datiert. 1568 fiel Bünzwangen an Württemberg zurück: Herzog Christoph löste das Dorf für 8000 Gulden wieder aus und ließ sich am 15. März 1568 huldigen. Der Ort zählte damals 29 Häuser und 16 Erblehen – darunter den Burghof, an den der Flurname Burghofgraben bis heute erinnert. Von da an gehörte das Dorf zum Amt Göppingen.
Wann der Burghof und der Zehnte nach Kirchheim kamen, lässt sich jetzt datieren. 1428 verpfändeten die Brüder von Mannsberg und ihre Schwägerin Salme von Lichtenstein den Grafen Ludwig und Ulrich von Württemberg die Zehnten zu Schlierbach und Bünzwangen. Zwei Jahre später, 1430, verkauften dieselben Familien den Burghof samt Zehnten, Gefällen und Vogteien an das Spital in Kirchheim – „unser Gut gelegen zu Bintzwangen, das da heißet der Burghof“. Von da an war Bünzwangen dem Spital zehntpflichtig, und das blieb es bis ins 19. Jahrhundert.
Der Kaufbrief von 1430 nennt beiläufig etwas, das in den Akten sonst selten greifbar wird: Der Hof wurde verkauft „mit eigenen Leuten“. Zum Besitz gehörten Menschen.
Von da an gehörte das Dorf zum Amt Göppingen.
Ganz vorbei war die Lehensgeschichte damit aber noch nicht. Am 16. August 1596 überließ Herzog Friedrich I. seinem Rat Burkhart von Berlichingen das Dorf „zur Recompenz vnd Ergötzlichkeit“ – als Entschädigung für dessen Dienste am kaiserlichen Hof. Berlichingen schröpfte die Bünzwanger, die bis dahin unter keiner Herrenwillkür gelitten hatten, derart, dass ihre Unzufriedenheit den Herzog bewog, das Dorf wieder einzuziehen; der Befehl dazu erging am 29. Dezember 1597. Das Bünzwanger Schultheißenprotokoll vom Januar 1598 hält fest, „daß ihnen nicht wohl ein besseres Neujahr hätten widerfahren mögen“.
Eine Kapelle wird 1481 erstmals erwähnt, geweiht dem heiligen Leonhard. Der Kirchturm der heutigen St. Leonhardskirche gilt im Dorf als ältestes Bauwerk – und das Inventarwerk Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg von 1924 gibt dem recht: Sein Unterteil stammt wohl noch aus gotischer Zeit. Oben ist er jünger. 1778 wurde der Turm nach einem Gewitterschaden erneuert; im selben Jahr goss C. Fridr. Blüher in Stuttgart die Glocke, die die Namen von Pfarrer, Schultheiß und Heiligenpfleger trägt. Auf der Turmkreuzfahne steht die Jahreszahl 1698. Das Kirchenschiff ist ein chorloses Rechteckschiff mit rundbogigen Fenstern aus dem 17. und 18. Jahrhundert; die Kirche wurde 1766 vergrößert und bekam 1776 ihre Sakristei.
Kirchlich gehörte Bünzwangen lange nach Schlierbach, ab dem 28. April 1748 nach
Albershausen und erst seit 1971 nach Ebersbach an der Fils. Seit
2013 bilden Bünzwangen und Sulpach eine gemeinsame evangelische
Kirchengemeinde mit einer Pfarrstelle. Die katholische Kirche St. Peter und Paul
wurde 1968 in Fertigbauweise aus 52 Einzelteilen errichtet und von Bischof
Dr. Leiprecht geweiht. Das Barockkreuz in ihrem Inneren stammt vermutlich aus der Schule
Feuchtmayers, um 1800.
Eine eigene Pfarrei hatte Bünzwangen nie. Und bis ins 20. Jahrhundert lag der Begräbnisplatz nicht am heutigen Friedhof, sondern rings um die Kirche.
1891 wechselte die Kirche den Eigentümer. Bis dahin gehörten Kirche, Orgel, Glocken, Uhr und Turm der bürgerlichen Gemeinde, die sie auch unterhielt – daher der Satz in der Oberamtsbeschreibung, die Baulast liege der Gemeinde ob. Mit der Ausscheidung des Kirchengemeindevermögens gingen sie an die Kirchengemeinde über; die Kosten für Turm, Uhr und Glocken teilten sich fortan bürgerliche Gemeinde und Kirchengemeinde im Verhältnis zwei zu eins. Der Begräbnisplatz selbst blieb bei der bürgerlichen Gemeinde – nur der Vorplatz und der unmittelbar an die Kirche anstoßende Hofraum wechselten mit. Beurkundet wurde das Ganze am 17. Mai 1892.
In derselben Urkunde stehen sechs Armenstiftungen, die der Ort verwaltete, zusammen 451 Mark 13 Pfennig, deren Zinsen an Arme ausgezahlt wurden. Eine davon stammte von Matthäus Schenk – jenem Schultheißen, der 1704 Geld für die Brotverteilung an Hausarme gestiftet hatte. Nach 188 Jahren stand sie noch in den Büchern. Und wer die Urkunde unterschrieb, trägt Namen, die auf dieser Seite ohnehin vorkommen: im Gemeinderat ein Roos, dazu Hummel, Dannenmann und Unterkircher – die Schultheißenfamilie, der Name aus dem Wappensiegel von 1720, die Schmiedsfamilie von 1801 und die Stifterin der Abendmahlskanne.
Viele Stellen, von denen diese Seite erzählt, liegen auf der virtuellen Dorftour – das Historische Rathaus, die ersten drei Schulhäuser, der Burghofgraben, die Gedächtniseiche und das Geburtshaus Jakob Grünenwalds.
Und darunter liegt dieselbe Gegend noch einmal, so wie die württembergischen Geometer sie 1828 vermessen haben.
So sah die Markung aus, bevor Bünzwangen über die Ortsstraße hinauswuchs: die Urkarte der württembergischen Landesvermessung, aufgenommen 1828. Zu erkennen sind der kleine Ortskern, die Streifenflur ringsum und die alten Gewannnamen. Zoome hinein, die Handschrift der Geometer ist lesbar.
Eingetragen ist nur, was 1828 stand – blau die Häuser und Orte, grün die Flurnamen, die auf dem Blatt selbst zu lesen sind. Manches Haus stand damals schon, hieß aber noch nicht so wie heute: Wo später die „Krone“ ausschenkte, war 1828 das alte Bäckerhaus, und im späteren „Adler“ wohnte noch ein Bauer. Was erst danach kam, fehlt ganz – das dritte Schulhaus von 1847, die katholische Kirche von 1968. Wer alles sehen will, nimmt die Dorftour darüber.
Historische Flurkarte Württemberg 1:2500, Erstdrucke der württembergischen Landesvermessung 1818–1840. Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg, 2026 – dl-de/by-2-0.