Menschen aus Bünzwangen

Der Maler Jakob Grünenwald und die Mundartdichterin Marie Richter-Dannenhauer

Jakob Grünenwald (1821–1896)

Jakob Grünenwald kam am 30. September 1821 als achtes Kind des Lohnwebers und Kleinbauern Johann Georg Grünenwald zur Welt – in genau jener Zeit, als aus dem Bauerndorf Bünzwangen ein Bauern- und Weberdorf wurde. Sein Geburtshaus steht in der Pläckertstraße 3.

Eigentlich war er für den Lehrerberuf bestimmt. Stattdessen lernte er Lithograf in Göppingen und verdiente sich das Studium mit Lackmalerei in einer Metallwarenfabrik. Ab 1840 besuchte er die Königliche Kunstschule in Stuttgart; seine Lehrer waren Albert Wagner, Johann Friedrich Dieterich und Bernhard von Neher, bei dem er sich zunächst an religiösen Bildern versuchte.

1853 ging er nach München – es wurde seine fruchtbarste Zeit. Dort arbeitete er im Umfeld von Carl Spitzweg, Anton Braith und Albert Kappis und fand zu dem, wofür er bekannt wurde: heitere, genau beobachtete Szenen aus dem bäuerlichen Leben. 1855 heiratete er Maria Dorothea Rapp. 1863 malte er ein Fresko im neu erbauten Bayerischen Nationalmuseum.

Seinen größten Erfolg hatte er 1867, als „Nach dem Hagelschlag“ von 1866 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt wurde – Öl auf Leinwand, 146 × 220 Zentimeter. Die Stadt Ebersbach erwarb dieses Bild 1981.

Ab dem 1. September 1877 war Grünenwald Professor an der Stuttgarter Kunstschule und leitete dort die Zeichenklasse bis zu seinem Tod; zu seinen Schülern gehörten Karl Bauer und Hermann Pleuer. Er starb am 26. September 1896 in Stuttgart. Nach Jahrzehnten, in denen er weitgehend vergessen war, wurde sein Werk in den 1980er Jahren wiederentdeckt, als die Genremalerei wieder Zuspruch fand.

Wo seine Bilder heute hängen

1984 richtete die Gemeinde ihm zu Ehren im Erdgeschoss des Bünzwanger Rathauses eine Gedächtnisstätte ein – 30 Original-Ölgemälde, dazu Studien, Tusche- und Kohlezeichnungen, Drucke und Stiche.

Heute ist die Sammlung im Stadtmuseum „Alte Post“ in Ebersbach zu sehen, seit dem 3. Oktober 2021 als Teil der Dauerausstellung. Sie ist auf über 90 Originale angewachsen und enthält auch das einzige bekannte Stillleben des Malers.

Ausführlich zu Leben und Werk: Petra Scheible-Schober, Jürgen Helmbrecht und Karl Heinz Ruess, Jakob Grünenwald 1821–1896. Ein schwäbischer Genremaler, Konrad Verlag.

Stadtmuseum „Alte Post“

Ebersbach · Do und So 14–17 Uhr · Eintritt frei

Marie Richter-Dannenhauer (1917–1980)

Marie Dannenhauer wurde am 14. August 1917 in Bünzwangen geboren – drei Tage, nachdem ihre Eltern geheiratet hatten. Der Vater, Johann Georg Dannenhauer, war Fabrikschmied und stammte aus Holzhausen bei Uhingen, die Mutter Marie geborene Schöllkopf war eine Bünzwanger Bauerstochter. Später kamen die Brüder Georg und Karl dazu.

Dass ihr Talent überhaupt bemerkt wurde, verdankte sie ihrem Lehrer: Albert Christian Stiehrle, bis März 1932 Hauptlehrer der Bünzwanger Einklassenschule, erkannte früh ihre schnelle Auffassungsgabe und ihr sprachliches Talent und förderte sie – mit ihm und seiner Frau Mina blieb sie ihr Leben lang befreundet. An eine höhere Schule war nach sieben Jahren Volksschule dennoch nicht zu denken. Sie besuchte eine hauswirtschaftliche Fortbildungsschule, arbeitete als Weberin und später im Büro der Ebersbacher Textilfabrik Häfele, wo sie bis Ende der fünfziger Jahre blieb. Das Schreiben brachte sie sich selbst bei, und sie stellte hohe Ansprüche an sich: Jedes Wort musste sitzen, das Versmaß stimmen.

Zu ihrem Leben gehört auch die Zeit des Nationalsozialismus. 1936 trat sie dem Reichsarbeitsdienst bei und verlängerte ihn freiwillig bis Kriegsende; sie hatte Stenografie gelernt und wurde im Verwaltungsdienst eingesetzt, lange in Innsbruck, wo sie auch das Kriegsende erlebte. 1941 trat sie in die NSDAP ein; im Entnazifizierungsverfahren wurde sie als Mitläuferin eingestuft. Über ihre damalige Haltung hat sie nie gesprochen. Nach dem Krieg distanzierte sie sich ausdrücklich vom nationalsozialistischen Gedankengut – sie bewunderte Theodor Heuss und unterstützte es nachdrücklich, dass ihre Töchter zum Schüleraustausch nach Frankreich und England fuhren.

Ihren Mann lernte sie über den Krieg kennen: Junge Frauen waren angehalten, alleinstehenden Soldaten zu schreiben und Päckchen zu schicken, und ein solches Päckchen der 22-Jährigen erreichte den Obergefreiten Max Richter, einen Flaschnermeister aus Wurzen bei Leipzig. Er bewahrte die Adresse auf. Nach amerikanischer Gefangenschaft stand er vor der Wahl, nach Sachsen zurückzukehren oder im Westen zu bleiben – er gab ihre Bünzwanger Adresse an. Geheiratet wurde im November 1946, nur standesamtlich; im pietistisch geprägten Bünzwangen gab das ebenso Gesprächsstoff wie die Heirat mit einem „Flüchtling“.

Dass sie ihrem Ehenamen den Geburtsnamen anfügte, war damals ungewöhnlich. Im Personenregister des Ebersbacher Standesamts steht sie schlicht als Marie Richter: Richter-Dannenhauer war ihr Künstlername.

Über Jahrzehnte hielt sie in schwäbischer Mundart fest, was um sie herum geschah – vom Milchhäusle über die Bushaltestelle „Siedlung“ bis zur 800-Jahr-Feier der Stadt Ebersbach. Vereinsjubiläen, Amtseinsetzungen, Turnstunden, Wanderungen: Sie nahm es wahr und brachte es in Reime. So wurde sie zur Chronistin des dörflichen Lebens. Sie war Gründungs- und Ausschussmitglied des Heimatkundevereins Ebersbach.

Ihre Gedichte erschienen viele Jahre regelmäßig in der Neuen Württembergischen Zeitung; deren Kulturredakteur Heinrich Domes beschrieb sie als „mundwarmes Schwäbisch“. Kleinere Sammlungen gab sie im Selbstverlag heraus, gedruckt in der Sulpacher Druckerei K. Gotthardi & Sohn. Sie starb am 22. Mai 1980, knapp 63 Jahre alt.

Sechs Jahre nach ihrem Tod bewahrte der damalige Leiter der Volkshochschule Göppingen ihr Werk vor dem Vergessen: 1986 erschien der Gedichtband „A bonter Strauß Vergißmeinnicht“ mit 70 Gedichten. Eines davon gilt dem Maler Jakob Grünenwald – zwei Bünzwanger über ein Jahrhundert hinweg. Als die Gemeinde 1984 einen Bildband über Bünzwangen herausgab, stand darin ihr Gedicht „Mei Hoimetdorf“.

2026 ist im Messelstein-Verlag die Biographie „Dem Leben zugewandt“ von Margit Haas erschienen, herausgegeben in der Reihe Unterm Stein. Lauterner Schriften der Stiftung Literaturforschung in Ostwürttemberg.

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