Die Geschichte Bünzwangens

Von der Ersterwähnung 1353 bis heute

Bünzwangen ist als Straßendorf entlang der heutigen Ortsstraße entstanden. Der historische Ortskern wuchs zunächst nach Norden und Süden – davon zeugen bis heute die Hofstrukturen früherer und noch bestehender landwirtschaftlicher Betriebe und einzelne Fachwerkhäuser. Ortsbildprägend sind das Historische Rathaus, die Leonhardskirche, der Ziegelbau an der Ortsstraße 23 und das denkmalgeschützte Gebäude an der Ortsstraße 25.

Wie klein der Ort noch vor zweihundert Jahren war, zeigt die Karte von 1828, die erste amtliche und maßstabgetreue Karte Bünzwangens – sie steht weiter unten auf dieser Seite, zum Hineinzoomen. Das Ortsetter war damals von einer 970 Meter langen Dorfhecke umzäunt – im Dorf sprach man von „innerm Zaun“ und „außerm Zaun“. In West-Ost-Richtung reichte das Dorf gerade von der heutigen Alemannenstraße bis zur Buchstraße.

Im vergangenen Jahrhundert wuchs der Ort vor allem nach Westen, in die Gebiete nördlich und südlich der Ebersbacher Straße, die im Dorf schlicht „Siedlung“ heißen. Besonders stark war diese Entwicklung in den knapp 30 Jahren vor 1984. Dort steht überwiegend freistehende Einzelhausbebauung, ergänzt um Doppel- und Reihenhäuser.

Von der Landwirtschaft, die Bünzwangen einst prägte, ist wenig geblieben: Wo es vor einigen Jahrzehnten noch rund 30 Bauern gab, sind es heute ein größerer Aussiedlerhof mit Milchkühen südlich des Orts, zwei kleinere Höfe am Ortsrand und ein Geflügelhof kurz hinter dem östlichen Ortsausgang (Stand 2019).

Wie das Dorf gewachsen ist

Bünzwangen 1683, Ortsansicht von Andreas Kieser
Bünzwangen 1683, gezeichnet von Andreas Kieser für das württembergische Forstlagerbuch. Um den Ort liegt der Baumkranz der alten Dorfhecke. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 107/7 Bd. 5 Bl. 12 – gemeinfrei

Was aus dem Ortsbild ver­schwunden ist

Postkarte „Gruss aus Bünzwangen“ – Kreisarchiv Göppingen
Postkarte „Gruss aus Bünzwangen“ mit der Leonhardskirche, einer Ortsansicht, dem Rathaus und dem Gasthaus zum Hirsch. Bildnachweis: Kreisarchiv Göppingen.

Einiges, was das Dorf über Jahrhunderte geprägt hat, steht nicht mehr. Die Zehntscheuer von 1533, fünfzehn mal zehn Meter groß, nahm auf, was die Zehntknechte des Kirchheimer Spitals zum Heiligen Geist im Ort einzogen – Bünzwangen war dem Spital zehntpflichtig, weil es kirchlich nach Schlierbach gehörte. Nach 1850 kam sie in Privatbesitz; 1974 wurde sie für den Straßenneubau abgebrochen.

Das Spritzenhäusle gegenüber dem „Hirsch“ entstand 1869 für die Feuerwehrspritze; im Dachgeschoss war das Gemeinde-Arrestlokal untergebracht. Es fiel 1975 denselben Straßenbauarbeiten zum Opfer, bei denen auch das erste Schulhaus abgerissen wurde.

Die Verbreiterung der Ortsdurchfahrt kostete 1975 gleich mehrere Häuser der alten Ortsmitte: das Haus Schurr neben dem ersten Schulhaus, das Haus Krapf Nr. 66 und daneben das Haus Falkenstein Nr. 67. Auch ein mächtiger Nussbaum musste weichen. Ein Jahr zuvor war schon der Bauernhof der Schultheißen Roos abgebrochen worden, der neben dem Burgwall stand.

Im März 2000 brannte das Haus Ortsstraße 34 gegenüber der Leonhardskirche nieder, eines der ältesten Privathäuser im Ort. Wann es gebaut wurde, weiß niemand; nach Angabe des letzten Besitzers hatte ein Gutachten die Holzbalken auf über 200 Jahre geschätzt. Mit dem Krämerladen, der Kirche und den Häusern, die später dem Ausbau der Ortsstraße weichen mussten, bildete es den „Unteren Weiler“ – bis in die 1970er Jahre die Mitte des Dorfes. In seiner Stube betreute die Mesnerin Friederike Unterkircher, „d Ahna“, neben den eigenen Enkeln viele Kinder aus dem Dorf.

Von den alten Gasthäusern ist wenig übrig. Der „Adler“, dessen Gaststube der Bauer Johannes Grünenwald 1878 in sein Wohnhaus eingebaut hatte, brannte 1902 bei einem Großfeuer ab; 1903 wurde er als Backsteinbau neu errichtet, 1959 erlosch die Konzession. Am 30. August 1967 brannte das frühere Gasthaus ein zweites Mal; weil darin eine Schnapsbrennerei untergebracht war, war das Löschen besonders schwer. Der „Löwen“ stand bis 1891 neben dem Rathaus; sein Gassenwirt und Bäcker Georg Leonhard Gscheidle musste den Betrieb 1828 aufgeben. Er eröffnete in der Pläckertstraße 2 einen Bierausschank, den das Dorf den „Bock“ nannte, kaufte 1840 ein altes Bäckerhaus, riss es ab und richtete in dem Neubau 1844 die „Krone“ ein. Am längsten hielt sich der „Hirsch“ – inzwischen ist auch er geschlossen.

Eine Postkarte vom 10. Juli 1905 zeigt neben der „Krone“ noch ein weiteres Wirtshaus: das Gasthaus zum Bären. Über seine Geschichte ist nichts überliefert – wo es stand, ist auf der Dorftour eingetragen.

Verschwunden ist auch die Wette – so hieß der Dorfweiher, der Viehtränke und Löschwasservorrat zugleich war. Die Karte von 1828 zeigt sie am westlichen Ende der Dorfstraße, am Ortseingang, und gleich daneben den Gänsegarten. Beide Namen stehen sonst nirgends mehr; auf der Dorftour ist die Stelle eingetragen.

Dass im Dorf überhaupt unterrichtet wurde, hat mit der Reformation zu tun: Nachdem Herzog Ulrich sie 1534 in Württemberg eingeführt hatte, sollte auch die breitere Bevölkerung lesen lernen – damit die Bibel in Luthers Übersetzung gelesen werden konnte. Im Oberamt Göppingen entstanden die ersten „teutschen Schulen“ 1548 in Uhingen, 1551 in Boll und 1556 in Ebersbach. Kleinere Dörfer blieben oft lange ohne eigene Schule; ihre Kinder hatten den Weg in den Nachbarort.

Bünzwangen taucht in den Schulverzeichnissen von 1581 und 1653 noch nicht auf. Doch in Bünzwanger Akten der Jahre 1631 bis 1634 findet sich ein Schulmeister namens Urban Werner – offenbar wurde vor der Schlacht bei Nördlingen eine Zeit lang unterrichtet, bis der Dreißigjährige Krieg dem ein Ende machte. Erst 1689 ist mit Mattheus Kümmerle wieder ein Schulmeister belegt, und um 1700 führt das synodale Schulverzeichnis Bünzwangen als Schulort. Wo damals unterrichtet wurde, ist nicht bekannt – vielleicht in der Werkstatt eines Handwerkers, vielleicht in einer größeren Bauernstube.

Das erste gesicherte Schulhaus steht im Steuerbuch von 1747: ein Gebäude von rund neun mal sieben Metern, errichtet wohl im Jahr zuvor. Wie es darin zuging, ist für 1779 überliefert – ein gestampfter Lehmboden, ein vierzehn Schuh langer alter Tisch, dessen halbe Platte man tiefer gesetzt und zur Sitzbank für die Kinder umfunktioniert hatte, kleine Fenster, die den niederen Raum nur notdürftig erhellten, Fackeln aus dem Schurwald als Beleuchtung und im Winter ein mächtiger runder Tonofen. Am Ostgiebel lag außerdem eine Armenstube. Lange war dieses Schulhaus das einzige Gebäude, das der Gemeinde überhaupt gehörte. Am 7. Februar 1975 wurde es abgebrochen, weil es weit in die Durchgangsstraße hereinragte und den Verkehr behinderte – die Straße verläuft heute darüber. Eine Hausnummer hat die Stelle seither nicht mehr; sie liegt etwa auf Höhe der Ortsstraße 52.

Weil das alte Gebäude keine soliden Fundamente hatte und sich der von der Schulaufsicht verlangte Keller nicht einbauen ließ, entschied die Gemeinde 1805, neu zu bauen. So entstand 1806 das Gebäude, das heute als Historisches Rathaus in der Ortsstraße 49 steht – ein Haus, in dem Schule und Gemeindeverwaltung zusammenkamen (mehr dazu im Abschnitt Das Historische Rathaus).

Vierzig Jahre später war auch dieses Haus zu klein. Das Evangelische Konsistorium weigerte sich 1846, einen neuen ständigen Lehrer nach Bünzwangen zu schicken, solange die Lehrerwohnung nicht vergrößert sei, und rügte zugleich den Schulraum – die Schülerzahl lag schon über hundert. Gemeinderat und Bürgerausschuss beschlossen daraufhin einen Neubau im Gewann Morgenäcker, der im Mai 1847 fertig wurde: das Haus in der Ortsstraße 63. Von den Handwerkern kam nur einer aus dem Dorf, der Maurer Johannes Borst. Trotz seiner Größe enthielt das Gebäude zunächst nicht mehr als die Schulstube – der vorgesehene Raum für einen zweiten Lehrer blieb im Rohzustand und wurde erst 1930 zum zweiten Schulzimmer ausgebaut. Damit lagen die ersten drei Bünzwanger Schulhäuser alle an der heutigen Ortsstraße, wenige Schritte voneinander entfernt.

In dieser Zeit änderte sich auch das Amt des Lehrers grundlegend. Bis ins 19. Jahrhundert versah der Bünzwanger Schulmeister zugleich den Mesnerdienst, leitete als Kantor den Kirchengesang, spielte die Orgel und bewirtschaftete gemeindeeigene Äcker und Wiesen, weil er einen Teil seiner Besoldung in Naturalien erhielt. Christian Friedrich Pfänder, von 1876 bis 1913 Lehrer im Ort, war der letzte, auf den das zutraf: 1899 wurde der Mesnerdienst per Gesetz vom Schuldienst getrennt.

Vier Schulhäuser in vier Jahr­hunderten

Das Schulhaus an der Gotenstraße

Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Schülerzahlen durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene schlagartig. 1947 kam eine zweite Schulstelle hinzu – besetzt bis 1960 von der Lehrerin Margarethe Staiger –, doch die zwei Klassenräume reichten für die 118 Bünzwanger Schüler (Statistik von 1950) nicht mehr aus. Hauptlehrer Willy Schutz notierte, man habe alte Zwei- und Viersitzer von der Bühne holen müssen, um alle unterzubringen; zwischen den Bänken blieb kein Gang mehr, die Kinder mussten über die Bänke steigen, um auf die hinteren Plätze zu gelangen.

Der Neubau in der Brunnhalde stieß im Dorf zunächst auf Kopfschütteln – „Ihr kennet doch an den Hang koi Schulhaus nabaue, des rutscht euch doch da Roi na!“, wie sich ein älterer Bünzwanger in der Festschrift von 2002 erinnert. Gebaut wurde trotzdem, nach Plänen von Regierungsbaumeister Richard Bostel und mit einer stabilen Stützmauer für den Hang. Im Dezember 1951 war Richtfest, am 11. Oktober 1952 wurde eingeweiht. Das Haus bot je einen Schulsaal für Ober- und Unterstufe, einen Handarbeits- und Gemeindesaal, Lehrmittelraum, Lehrerzimmer, Schulküche, einen Brauseraum mit zwei Wannenbädern und zwei Lehrerdienstwohnungen – wegen der damaligen Wohnungsnot. Mit dem Schulhaus wurden zugleich die Weichen für das Wohngebiet rund um die Schule gestellt.

Einiges vom Schulalltag der ersten Jahre ist überliefert: Eine Frau aus dem Dorf kam im Winter zum Anheizen der vier Kachelöfen, die Lehrer räumten den Schnee selbst, weil es keinen Hausmeister gab. Samstags war Badetag im Kellergeschoss. Eine automatische Klingel gab es nicht – nach der Pause stellten sich die Kinder auf ein Zeichen zu zweit auf. Getrunken wurde am Brunnen im Eingangsbereich. Bünzwangen galt früh als Modellschule für das Lesen; im Ort entstand eine eigene Fibel, und Studenten kamen zum Landschulpraktikum ins Dorf. Zum 40-jährigen Bestehen baute die Stadt Ebersbach das Haus 1992 um: Aus den Lehrerwohnungen wurden Mehrzweckraum, Lehrerzimmer und Rektorat.

Zwei Straßennamen erinnern bis heute an die Schule: Die Alemannenstraße hieß im Dorf nur „Schulbuckel“ und war im Winter die Rodelbahn der Kinder, und die Gotenstraße war bis zur Eingemeindung nach Ebersbach schlicht die Schulstraße.

Aus der zweiklassigen Volksschule – erstes bis achtes Schuljahr, rund 75 Kinder – wurde mit der Schulreform eine Grundschule; 1984 unterrichteten dort fünf Lehrkräfte und zwei für Religion. 1973 kam der Kindergarten hinzu, in dem Mitte der achtziger Jahre rund 56 Kinder in zwei Gruppen betreut wurden.

Das Gebäude in der Ortsstraße 49 wurde 1806 als Schulhaus gebaut – mit Lehrerdienstwohnung und Landwirtschaft unter einem Dach. Nach dem Rückblick des Stadtarchivs Ebersbach war es dabei von Anfang an auch als Rathaus gedacht: Bis dahin hatte der Bünzwanger Schultheiß seine Amtsgeschäfte im eigenen Privathaus erledigen müssen, dort fanden auch die Ratssitzungen statt. Im neuen Haus wurde das Schulzimmer im Erdgeschoss tagsüber unterrichtet und abends für die Ratsgeschäfte genutzt. Die Lehrerwohnung lag im ersten Stock, im Westen schloss eine Scheuer an, in der Tenne stand die Kuh des Schulmeisters – Landwirtschaft gehörte damals zum Lehreramt. Nördlich des Schulzimmers lagen zwei Kammern, von denen eine ab 1827 lange als Arrestlokal diente.

Bezahlt wurde der Bau zum Teil durch eine Sammlung: In 32 zugewiesenen Gemeinden durfte die Gemeinde Geld sammeln, und Spenden kamen unter anderem vom Kurfürstentum Württemberg, vom Oberamt Göppingen und vom Spital zum Heiligen Geist in Kirchheim, dem Bünzwangen damals noch zehntpflichtig war.

Mit der Fertigstellung des neuen Schulhauses 1846/47 hatte das Haus als Schule ausgedient; die unteren Räume waren fortan der Verwaltung vorbehalten. Die Lehrerwohnung blieb bis 1952 bestehen; danach wohnte bis 1973 der Bünzwanger Bürgermeister darin. Seit dessen Auszug wird das Gebäude nicht mehr bewohnt – nach der Eingemeindung 1975 diente es als Verwaltungsstelle. 1984 wurde im einstigen Schul- und Ratszimmer eine Gedächtnisstätte für den Maler Jakob Grünenwald eingerichtet. Heute ist es ein zweigeschossiger, verputzter Bau mit Satteldach mitten im historischen Ortskern.

Seit dem 1. Februar 2025 hat die Stadt das Haus der Dorfgemeinschaft Bünzwangen e. V. überlassen. Sie arbeitet daran, daraus wieder einen Ort für alle zu machen – das DorfZentrum.

Das Historische Rathaus

Das Gemeinde­backhaus

Im Burghofweg, beim evangelischen Gemeindehaus, steht das Bünzwanger Gemeindebackhaus. Es steht unter Denkmalschutz, und gebacken wird darin bis heute. Seine Geschichte hat Gisela Wurmbauer von der Backhausgemeinschaft aufgeschrieben; ihr folgt dieser Abschnitt.

Früher hatte fast jeder Bauer ein eigenes Backhaus hinter dem Haus oder eine Backstelle im Haus. Der Bäcker Zwicker hatte seine Bäckerei gegenüber der evangelischen Kirche, im selben Haus lag die Wirtschaft „Linde“. Nachdem in Schlierbach ein Backhaus abgebrannt war, durfte er im Haus keinen Ofen mehr betreiben und baute sich dahinter ein Backhaus. Ab 1841 beriet der Gemeinderat über einen Gemeindebackofen, lehnte aber ab – es gab drei Bäckereien und viele private Backhäuser. 1842 zog der Sohn des inzwischen verstorbenen Bäckers nach Heiningen und bot der Gemeinde das Backhaus an. 1844 kaufte sie es für 118 Gulden und 30 Kreuzer. Der Gemeinderat und Bauer Rau stellte einen Platz auf seinem Grundstück „hinterm Hirsch“ zur Verfügung, und dort wurde das Backhaus wieder aufgebaut.

Wer das Backhaus beaufsichtigte, zahlte der Gemeinde eine Jahrespacht und bekam dafür von jedem, der backte, einen Kreuzer je „Hitze“. Weil den Bürgern die Pacht des ersten Verwalters zu niedrig war, wurde das Amt ab 1845 an den Meistbietenden versteigert; 1847 gab es vierzehn Bewerber, bis 1865 stieg die Pacht von 2 auf 19 Gulden. Die Regeln waren knapp: Jeder bereitet seinen Teig selbst, bringt ihn zur angesetzten Zeit, bringt sein Holz mit und feuert selbst.

1919 wurde das Backhaus grundlegend umgebaut; der Ofen, der bis dahin außerhalb lag, kam ins Haus. Bauer Rau baute direkt daneben ein Waschhaus an – ein Gebäude mit zwei Besitzern und zwei Hausnummern.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte Emilie Schniepp die Backaufsicht. Gisela Wurmbauer erinnert sich an die 1950er Jahre: Die Kinder wurden zum „Bachazia“ geschickt, zum Backen-Ziehen, denn die Zeiten wurden gelost – sechs am Tag, je drei Stunden, ab sechs Uhr morgens, vor Weihnachten, Ostern, Konfirmation und Kirbe auch schon ab Mitternacht. Die erste Zeit wollte niemand, denn der kalte Ofen brauchte die doppelte Menge „Kräha“: Reisigbüschel aus dem Obstbaumschnitt, die zwei Jahre in der Holzhütte trockneten. Die Hefe gab es bei Frau Schniepp, für fünf oder zehn Pfennig, abgewogen auf einer Art Briefwaage. Gebacken wurde alle zwei Wochen; bis dahin lag das Brot auf der „Hurd“, einem mäusesicheren Brett an der Kellerdecke.

Ab 1959 verwaltete Elsa Müller das Backhäusle, 32 Jahre lang. 1991 fanden sich fünfzehn Backinteressierte zu einer Backhausgemeinschaft zusammen und renovierten das Häusle in über 110 Stunden Eigenarbeit; dabei kam das Fachwerk wieder zum Vorschein. 2006 stand eine größere Sanierung an. Der damalige Ortsvorsteher Johann Schreiner setzte auf Eigenleistung, und der Innenraum wurde um das frühere Waschhaus der Familie Rau erweitert. Am 19. Januar 2007 wurde die Backhausgemeinschaft Bünzwangen e. V. gegründet, die das Backhaus seither betreibt – wie und wann dort gebacken wird, steht unter Backen im Bünzwanger Backhaus.

Ein zweites denkmalgeschütztes Backhaus steht bei der Grundschule. Wo beide liegen, zeigt die Dorftour.

Die alte Turnhalle stammte aus den 1930er Jahren. An ihr stand die „Roosenlinde“, die die Bürgerschaft dem Schultheißen Johann Georg Roos zu Ehren gepflanzt hatte. Die Suche nach einem Ersatz begann früh: Schon 2012 nannte die Sport- und Veranstaltungsstättenplanung der Stadt als eines ihrer Ziele eine „langfristige Lösung und Bleibe für den TVB“. 2015 verglich eine Voruntersuchung drei Entwürfe; durchgesetzt hat sich der, bei dem sich der Hallenkörper mit der Bühne nach Westen zum Grünraum öffnet.

Gebaut wurde südlich der alten Halle. Der Rohbau begann im Oktober 2019 und war im Juni 2020 fertig, der Innenausbau dauerte bis März 2021. Den Kern des Hauses bildet ein Sport- und Mehrzweckraum von 11 × 21 Metern mit Bühne, daran schließt ein Sanitär- und Verwaltungstrakt an; auf dem Dach liegt eine Photovoltaikanlage.

Der Projektbericht der Stadt vom Januar 2021 weist 3.869.000 Euro Gesamtkosten aus. Getragen wurden sie zu einem guten Viertel von anderen: 192.000 Euro Sportstättenförderung, 340.000 Euro aus dem Ausgleichstock und 385.000 Euro vom Turnverein selbst – zusammen 917.000 Euro.

Im Frühjahr 2021 zog der Verein um, danach wurde die alte Halle abgebrochen. Heute spielt sich in der Mehrzweckhalle Bünzwangen ein großer Teil des dörflichen Miteinanders ab: Sport, Feste, Ortschaftsrat und die Vereinsgaststätte unter einem Dach. Wo sie steht, zeigt die Dorftour.

Die Mehrzweck­halle

Vereine und Feuerwehr

Der Turnverein wurde 1896 gegründet; der Auszug aus dem Protokoll der Gründungsversammlung ist erhalten. Die ersten Turnstunden fanden nach einer in der Familie weitergegebenen Erinnerung in der Scheune des Hauses Ortsstraße 34 statt. Anfang der 1930er Jahre kam eine Handballabteilung hinzu, die sich zuerst einen eigenen Sportplatz am Tannenwald bauen musste. Zum Verein gehört seit Ende der 1950er Jahre auch eine Sängerkameradschaft. Sie führt fort, was der gemischte Chor begonnen hatte: Er hatte sich 1948 unter Leitung des Schulleiters Willy Schutz aus dem Frauen-Leichenchor gebildet und zählte rund 33 Aktive.

Der Obst- und Gartenbauverein feierte am 9. und 10. Oktober 1981 sein 75-jähriges Bestehen; gegründet wurde er demnach 1906. Seit 1967 richtet er jeden Herbst das Erntedankfest aus, bei dem auch die Preise für die schönsten Vorgärten, Fenster und Balkone vergeben werden – eine Bewertungskommission des Vereins war dafür jahrelang im Ort unterwegs. Zum Jubiläum stellte der Verein über fünfzig alte und historische Apfelsorten aus.

Die Freiwillige Feuerwehr bezog am 24. Januar 1981 ihr neues Magazin mit Bauhof. Das alte Gebäude wurde abgerissen – an seiner Stelle entstand der Dorfplatz.

Der jüngste Verein im Ort ist die Dorfgemeinschaft Bünzwangen e. V., gegründet am 1. Februar 2022. 2023 baute sie den Spielplatz in der Hauffstraße zu einem inklusiven Spielplatz um, auf dem Kinder mit und ohne Einschränkung gemeinsam spielen können. Rund 70.000 Euro an Spenden kamen dafür zusammen, dazu etwa 30.000 Euro an Eigenleistung von Vereinsmitgliedern und dem Bauhof der Stadt. Im Oktober 2023 war er fertig.

In den Jahren nach der Eingemeindung tat sich im Ortsbild einiges – und das blieb nicht unbemerkt. Beim Kreiswettbewerb zur Dorfverschönerung holte Bünzwangen 1976 einen dritten und 1978 einen ersten Preis. Im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ folgten 1979 eine Bronzemedaille, 1980 ein erster Preis und 1983 ein Sonderpreis, den Beigeordneter Kurz und Ortsvorsteher Grünenwald in der Karlsruher Schwarzwaldhalle entgegennahmen.

„Unser Dorf soll schöner werden“

Bünzwangen aus der Luft, 1984 (Erich Merkler, CC BY 3.0)
Bünzwangen aus der Luft, 11. Juli 1984. Foto: Erich Merkler, Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Sigmaringen N 1-96 T 1 Nr. 888 – CC BY 3.0
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